Die Geschichte des Hauses!
Das historische Bahnhofsrestaurant Böhla.
Inmitten der Gemeinde Priestewitz, im Ortsteil Böhla, steht ein architektonisches Juwel, das von einer vergangenen Ära des Reisens und der Gastlichkeit erzählt: das ehemalige Bahnhofsrestaurant. Dieses Gebäude ist weit mehr als nur alte Gemäuer, es ist ein Stück lebendige Ortsgeschichte.
Das Bahnhofsrestaurant gehört zu einem kleinen historischen Ensemble rund um den Bahnhof Böhla, der an der Berlin-Dresdner Bahn liegt. Der Bahnhof selbst wurde 1875 zusammen mit der Bahnstrecke eröffnet und war Ausgangspunkt für eine kleine Eisenbahnersiedlung, die als Ortsteil "Böhla Bahnhof" zur Gemeinde Priestewitz gehört. Zum Bahnhofskomplex gehören zwei Gebäude aus der Gründerzeit, die heute unter Denkmalschutz stehen - das ehemalige Empfangsgebäude von 1875 und - wenige Meter entfernt - das Gebäude der früheren Bahnhofsgaststätte. Diese Gaststätte ist ein eingeschossiger Putzbau mit übergiebeltem Mittelrisalit und flachem Satteldach, in dessen Architektur sich bereits Anklänge des Schweizerstils finden. Damit ist das alte Bahnhofsrestaurant nicht nur ein Zeugnis der lokalen Eisenbahngeschichte, sondern auch ein kleines architektonisches Schmuckstück aus der Zeit des Eisenbahnbooms im 19. Jahrhunderts.
Das um 1875 errichtete Gebäude besticht durch eine Reihe besonderer Merkmale. Der zentrale, leicht vorspringende Gebäudeteil (Mittelrisalit) wird durch einen charmanten Balkon im Obergeschoss hervorgehoben, der dem Haus ein repräsentatives Gesicht verleiht. Ein massiver Polygonsockel bildet das Fundament, darüber erstreckt sich der Putzbau mit profilierten Sandsteingewänden mit geraden Bedachungen im Erdgeschoss sowie originalen Winterfenstern, die vom handwerklichen Können der damaligen Zeit zeugen. Die Gebäudeecken sind mit Sandsteinquadern betont, was dem Bauwerk eine solide und elegante Struktur verleiht. Abgeschlossen wird das Haus durch ein flaches Satteldach.
Das Restaurant war einst das Herzstück des Bahnhofs Böhla, einer wichtigen Betriebsstelle an der renommierten Bahnstrecke Berlin-Dresden. Es diente Reisenden und Dorfbewohnern gleichermaßen als Einkehrort - zuerst als Bahnhofsrestaurant, später als Konsumgaststätte. Die verkehrsgeschichtliche Bedeutung des Ortes ist unbestritten. Auch wenn der Zugverkehr an diesem spezifischen Abschnitt heute ruht, erinnert das Gebäude an die Zeit, als die Eisenbahn die Region veränderte und Böhla ein wichtiger Anlaufpunkt für den Personen- und Güterverkehr war.
Das Bahnhofsrestaurant erlebte eine typische Entwicklung ländlicher Bahnhofsgaststätten: Früher gedieh es durch Reisende der Berlin-Dresdner Bahnlinie, die auf dem Weg nach Dresden oder Berlin Zwischenhalt machten - Lokführer, Reisende und lokale Arbeiter waren Stammkundschaft. In der Blütezeit um 1900-1950er Jahre war es Treffpunkt für die Eisenbahnersiedlung, mit regem Verkehr durch Güterzüge und Pendler. Mit dem Automobilboom ab den 1960er Jahren und sinkenden Fahrgastzahlen schrumpfte die Kundschaft auf Einheimische und vereinzelte Autoreisende. Nach der Wende 1990 und der Regionalisierung der Bahnlinie wurde der Bahnhof entwertet, was die Gastronomie weiter schwächte - heute kommen nur noch wenige Regionalzüge durch.
Das Gebäude steht als Kulturdenkmal unter Schutz (ID 08957752). Dieser Status ist eine Verpflichtung, aber auch eine große Chance. Der Denkmalschutz stellt sicher, dass der einzigartige Charakter des Hauses bewahrt bleibt. Die Wiederbelebung dieses "Lost Place" bietet die Möglichkeit, Geschichte erlebbar zu machen und einen Ort mit Seele zu schaffen.
